Samstag, 4. Oktober 2014

Proteste in Hongkong - September 2014

Ich glaube, ihr redet euch die Realität schön, weil nicht wahr sein kann, was nicht wahr sein darf. Natürlich haben solche Proteste auch Anteile authentischen Ausdrucks, und es gibt viele Idealisten unter diesen Leuten. Keine Frage. Aber immer, wenn ich von diesen "bunten Revolutionen" - ob in Osteuropa, ob in Arabien oder jetzt vor der Haustür Chinas - höre, reagiere ich mit ziemlicher Skepsis.  Die Proteste auf dem Tiananmen-Platz 1989 in Peking und ihr gewaltsames Ende waren sicherlich authentisch, weil sie ziemlich überraschend kamen. 
Aber es gibt auch viele, die riechen geradezu nach von außen gesteuerter Inszenierung. Ich habe noch nie gehört, dass bei Demos gegen Sozialabbau und Sparpolitik in Athen oder Madrid oder Barcelona sich sog. "NGO's" oder "Stiftungen" eingemischt hätten, aber auffällig sind sie immer da präsent, wo es gegen die neu-alten Feinde geht - China und Russland in erster Linie. Früher ging es um den Kampf gegen den Kommunismus, und da waren die Feinde ähnlich. Es gibt eine Doku auf Arte, wo es um die Einflussnahme der CIA auf die kulturelle Entwicklung Westeuropas nach dem 2. Weltkrieg geht. Es begann 1947 mit einem "Kongress zur Verteidigung der Freiheit" in Westberlin 1947, eine antikommunistische Veranstaltung, die vom CIA gesponsert war. Führender Vertreter war da der französische Intellektuelle Raymond Aron, der später einer der Hauptgegner von Sartre wurde in den ideologischen Auseinandersetzungen in Frankreich. 

Als in den USA selber noch McCarthy wütete, förderte der CIA bereits "fortschrittliche", "linke" Kunst in Westeuropa - z.  B. bei den ersten Documentas in Kassel, speziell den sog. "abstrakten Expressionismus" in den 50er Jahren, der damals in der Malerei zur alles beherrschenden Kunstrichtung wurde. Der CIA wollte damit "nicht-kommunistische" Kunstrichtungen fördern, die sich vom sozialistischen Realismus abgrenzten. Aber die "Kunst" im "Ostblock" war ohnehin wenig attraktiv, das hätte sich der CIA auch sparen können. Später dehnte der CIA seine Einflussversuche auch auf das Gebiet der Literatur und des Journalismus aus. Das berühmte Treffen zwischen Heinrich Böll und Alexander Solzschenizyn 1974 in Bölls Haus war vom CIA arrangiert - allerdings wusste Böll davon nichts. Böll passte aber als linkskatholischer Antikommunist recht gut in das Schema der CIA. Aber nicht nur die CIA versuchte und versucht, im Ausland Einfluss zu nehmen. Ich habe schon vor 10 Jahren in Trier eine Veranstaltung besucht, wo es um die Einflussnahme der deutschen "Parteistiftungen" im Ausland geht. Typisches Beispiel war Portugal. Dort brach 1974 die sozialistisch angehauchte "Nelkenrevolution" aus, zuerst ein Putsch junger, links eingestellter Offiziere der portugiesischen Armee, die damit die Diktatur Salazars unblutig beendeten. Später erwuchs daraus eine linkssozialistische Volksbewegung, die auch an die Macht gelangte. Um den Einfluss linkssozialistischer Strömungen einzudämmen, wurde ein "Sozialdemokratische Partei Portugals" nach dem Vorbild der deutschen SPD gegründet. Aber wo? In Kronberg im Taunus in der Nähe von Frankfurt/Main. Der spätere Parteichef Soares reiste extra nach Deutschland, um mit Mitgliedern der Friedrich-Ebert-Stiftung das Parteiprogramm dieser portugiesischen SPD auszuhandeln. Sie war eine Retortenpartei von Anfang an. Nichts authentisch Portugiesisches. 
Solche Beispiele ließen sich beliebig verlängern. Was die Neocons mit der Ukraine und mit anderen Ländern Osteuropas vorhatten und vorhaben, kann man in entsprechenden Artikeln und Büchern von Brzezinski, einem notorischen und sehr einflußreichen Russenfresser, der von Ford bis Obama fast sämtliche US-Präsidenten beraten hat und der übrigens in Kiew geboren wurde, und in Publikationen wie z. B. "Foreign Policy" nachlesen - wo übrigens der Ausdruck "clash of civilizations" zum ersten Mal auftauchte. Also nichts ist Zufall, man kann über die Effektivität solcher Einflussnahmen unterschiedlicher Meinung sein, aber es gibt sie, und wer das nicht wahrhaben will, lügt sich eins in die Tasche. (kwp)

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